Dienstag, 13. September 2016

Schlussstrich unter einen Lebensabschnitt

Die Frage stand schon länger im Raum. Wann schließe ich diesen Blog und mache weiter mit dem Alten? Immerhin ist die Zeit in der Schule, die Zeit in Bremen vorbei und ich habe entschieden wie der Weg mit IHM weitergehen soll. Trotzdem fiel es mir noch schwer den in der Realität bereits vor zwei Wochen vollzogenen Schritt auch hier im Netz zu gehen.
Irgendwie dachte ich, ich hätte noch nicht das Recht, da ich noch keine "echte" Nonne - keine "richtige" Schwester bin. Zwar werde ich bereits mit Schwester ... angesprochen, aber ich trage noch keine Ordenskleidung und habe noch keine Gelübde abgelegt.
Als ich aber die Oberin darauf ansprach und sagte, dass ich gerne schon vor dem vereinbarten Termin im November die Profess ablegen würde, sagte sie: "Ich verstehe die Eile nicht - Sie leben es doch schon!" Und so ist es: ich lebe das Leben einer Nonne und so habe ich wohl eher ein Recht dazu vom Nonnenleben zu bloggen, als über Gott und die Schule zu schreiben, wo ich ja in gar keiner Schule mehr bin (wenn man mal davon absieht, dass für Ordensleute das Kloster selbst eine Schule ist).

Also verabschiede ich mich an dieser Stelle und danke euch allen für eure Treue, eure aufmunternden Worte und euer unterstützendes Gebet.
Die vergangenen drei Jahre waren keine leichte Zeit für mich - nicht nur wegen des Armbruchs und des Bandscheibenvorfalls. Oft waren keine Worte in mir, um zu beschreiben wie es in mir aussieht und wie es um meine Gottesbeziehung bestellt ist. Umso größer ist mein Dank an alle, die trotz der teilweise monatelangen Sendepausen dabeigeblieben sind.

Montag, 12. September 2016

Mein schlimmster Tag

seit langem war gestern. Und dabei war ich selbst schuld. Niemand hatte mir etwas getan. Aber plötzlich hatte ich Angst. Dass jemand vielleicht etwas tun könnte, was mir nicht passen würde. Sofort stellte sich auch Reue ein. Reue darüber, dass ich jemandem so etwas zutraue. Mein mangelndes Vertrauen in Gott und meine Mitschwestern machten mich traurig. Um das Gefühlschaos komplett zu machen, empfand ich einen ungewohnten Zorn, der mich erschreckte. Zorn über mich selbst. Dass ich etwas bestimmtes gesagt hatte. Zorn darüber, manchmal das Gefühl zu haben wie ein unreifes Kind behandelt zu werden. Und Zorn über all die Gefühle in mir, derer ich nicht Herr wurde.
Ich fühlte mich so überwältigt und ohnmächtig, dass mir die Tränen kamen.
Zum Glück war Sonntag und ich konnte den Nachmittag für einen ausgedehnten Spaziergang nutzen. Ich wanderte drei Stunden barfuß in der brütenden Hitze und tat Buße. Vor allem für mein Misstrauen.
Danach ging es mir leider nicht viel besser, nur dass nun zu all den Gefühlen noch Schmerzen in den Füßen hinzugekommen waren.
Wirklich gut wurde es erst heute, als sich im Gespräch meine Sorgen als unbegründet herausstellten.
Und die Moral von der Geschicht': weglaufen lohnt sich nicht!

Donnerstag, 8. September 2016

Wieder ganz da

Die erste Woche ist vorbei und es war eine gute Woche. Ich bin wieder ganz angekommen. Fühle mich hierhergehörig und will nicht wieder weg. Im Gegenteil: sehnsüchtig erwarte ich den Tag, an dem ich wieder Gelübde ablegen darf, um mich so in besonderer Weise an Gott und dieses Haus zu binden.
Ein Highlight war das vergangene Wochenende: am Samstag war ich in der Mittagspause im Süßen See schwimmen und habe es in vollen Zügen genossen. Tags drauf bin ich mitgefahren zur Bistumswallfahrt auf der Huysburg und habe mich über viele nette Begegnungen gefreut. Insbesondere mit dem Abt von St. Matthias in Trier, der den Pfarrer kennt, der während meiner Kinder- und Jugendjahre in meinem Heimatdorf Pfarrer war.
Als großes Geschenk empfand ich es auch dort die Möglichkeit zur Beichte wahrnehmen zu können. Der Pater, bei dem ich beichtete hatte mich damals - als ich ihm vor drei Jahren sagte, dass ich austrete, aber vorhabe wiederzukommen - gefragt, was ich denn in der Zwischenzeit tun werde, damit die Berufung "wach" bleibt. Daran habe ich in den drei Jahren immer wieder gedacht und es war mir eine Warnung, dass ich eine Mitverantwortung dafür habe, tatsächlich wieder ins Kloster zu gehen. Denn man kann eine Berufung auch einschläfern und ersticken.
Aber in erster Linie ist es natürlich eine Gnade - ein Geschenk Gottes -, dass die Berufung wach geblieben ist und ich danke Gott von Herzen dafür, dass er nicht von mir gelassen hat.

Mittwoch, 31. August 2016

ankommen

Gestern war es soweit. Ich reiste an, ohne ein Rückfahrticket in der Tasche zu haben. Jetzt bin ich hier und habe vor zu bleiben. In meinem Innersten ist das allerdings noch nicht so ganz angekommen. In den letzten Monaten war ich so häufig hier. Immer nur für ein paar wenige Tage. Wahrscheinlich fühle ich mich deshalb auch jetzt irgendwie, als würde ich in ein paar wenigen Tagen wieder abreisen.
Das Gefühl gleich wieder weg zu sein, wird sich hoffentlich legen. Spätestens in ein bis zwei Wochen. Darauf freue ich mich. Ich freue mich auf das sich dann ausbreitende Gefühl ganz angekommen zu sein. Nicht mehr auf der Durchreise. Ich freue mich darauf Wurzeln zu schlagen und weiter zu wachsen.
Heute war dann mein erster ganzer Tag, mein offizieller Wieder-Eintritt. Und zugleich mein Ordens-Namenstag. Und die Gemeinschaft hat mich nicht nur herzlich willkommen geheißen, sie hat mir auch ein Lied gesungen und mir angeboten mich wieder bei meinem Ordensnamen zu nennen. Das kam überraschend. So schnell, dass ich ganz überrumpelt war und gar nicht wusste, was ich sagen soll. Natürlich freut es mich, aber ich muss mich erst wieder daran gewöhnen.

Sonntag, 21. August 2016

Die Liebe - das Größte

Am Vorabend des Hochfestes des heiligen Bernhard feierten wir eine wunderschöne Vigil. Es wurde unter anderem aus einer Auslegung Bernhards zum Hohenlied vorgelesen. Viele berührende Sätze finden sich darin, und einer von ihnen ließ mich nicht mehr los.
Hier ein Ausschnitt:
"Die Liebe des Bräutigams, vielmehr der Bräutigam, der die Liebe selber ist, sucht als Gegengabe nur Liebe und Treue. So sei es der Geliebten erlaubt, ihren Liebhaber wiederzulieben. Wie könnte die Braut nicht lieben, die doch Braut der Liebe ist? Wie könnte die Liebe nicht wieder geliebt weren?
Mit Recht verzichtet die Braut auf alle anderen Gefühle und widmet sich ganz der Liebe allein; ihre Aufgabe ist es, der Liebe durch Liebe zu antworten."

Mit Recht verzichtet die Braut auf alle anderen Gefühle und widmet sich ganz der Liebe. Dieser Satz klang nach in mir. Auf alle anderen Gefühle verzichten. Für mich waren das insbesondere die Gefühle Schmerz und die Furcht vor dem Schmerz.
Von nun an versuchte ich mich stets daran zu erinnern, dass ich geliebt werde und vom Kopf bis in die Fußspitzen mit jeder meiner Zellen wieder liebe, wenn es im Rücken zwickte. Und auch sonst. Wenn ich lag. Wenn ich saß. Wenn ich ging. Ich dachte an all die Menschen und Dinge, die ich liebe und natürlich an Gott, der selbst die Liebe ist und mich zuerst geliebt hat. Sich von Liebe durchströmen zu lassen hat eine unglaublich tiefenentspannende und wohltuende Wirkung.
Ein weiterer sehr willkommener Nebeneffekt ist ein neuer Ohrwurm. Monatelang hatte ich ständig eine Liedzeile von PUR im Ohr "Es tut weh. Aus und vorbei - es tut weh." Seit ein paar Tagen klingt nun ständig in meinem Ohr eine Zeile aus dem Lied Du gabst oh Herr mir Sein und Leben. Dort heißt es: "und Liebe, dankerfüllte Liebe soll meines Herzens Wonne sein".
Ich würde das mal eindeutig einen weiteren Schritt in die richtige Richtung nennen.

Montag, 8. August 2016

Von der Hoffnungslosigkeit zur Wiederentdeckung des Gebetes

Noch heute morgen hätte ich bei der Erwähnung des Wortes "Bachblütentherapie" den Kopf geschüttelt und es damit zurück in seine Schublade mit dem Label "Humbug" gepackt. Aber dann war ich wegen meiner Rückenschmerzen, die mich nachts nicht mehr ruhig schlafen und tagsüber nicht mehr schmerzfrei sitzen lassen, beim Ostepathen.
Und es ist echt verdammt schwer etwas noch immer als Humbug abzutun, wenn man trotz aller Skepsis am eigenen Körper gespürt hat, wie es wirkt.
Die wieder neu aufgetretenen Schmerzen sind dem Therapeuten nach muskulär bedingt und verursacht durch innere emotionale Spannungen wegen Fehlens von Hoffnung und allgemeiner Resignation.
Das klingt erstmal ziemlich paradox in die Situation von jemandem hinein, der gerade einen neuen Lebensabschnitt beginnt - noch dazu im Kloster.
Aber als er es sagte, spürte ich die Wahrheit der Worte. Noch heute morgen habe ich mir Gedanken darüber gemacht, dass ich irgendwie verlernt habe zu beten. Ich kann nicht genau sagen seit wann, aber gefühlt seit einer Ewigkeit ist Beten für mich trostlos geworden (ausgenommen das klösterliche Chorgebet, das ich im Laufe des letzten Jahres ja nicht gerade häufig besuchen konnte). Was vorher irgendwie natürlich war - die Zwiesprache mit Gott - war nun ein leeres und einseitiges Sprechen oder gar nur ein Denken an oder über Gott. Und so fragte ich mich, ob man in einem solchem Zustand überhaupt in ein Kloster eintreten darf bzw. sollte.
Nun wurde mir also gesagt, dass die Bachblüte 13 meine Rückenproblem lindern werde, da sie es vermag Hoffnung wieder zu wecken. Und das Beste daran: die Rückenschmerzen sind nicht nur deutlich besser - ich habe plötzlich wieder frei mit Gott reden können. Es war so, als wäre ich über Monate hinweg blockiert gewesen, bis jetzt jemand auf den "Neustart"-Knopf gedrückt hat. Es sprudelt wieder eine Freude in mir, die ich lange vermisst habe. ER ist wieder da. Oder besser: ich spüre und weiß es wieder - ich höre IHN wieder.

Donnerstag, 28. Juli 2016

Abschiedstour

Schon vor einigen Wochen begannen die Sommerferien und ich musste mich von meinen Schülern und Kollegen verabschieden. Es gab eine sehr schöne Abschiedsfeier im Kollegium, da sehr viele Kollegen verabschiedet werden mussten (die meisten in den Ruhestand).
Es war komisch sich nach der langen Krankheitsphase dann sofort für immer zu verabschieden. Irgendwie haben mir die Wochen vor den Sommerferien gefehlt, um langsam innerlich Abschied vom Schuldienst nehmen zu können.
Mit dem Ende des Schuljahres fing dann für mich das Kisten packen an. Meine sieben Sachen wurden ins Kloster gebracht und ich übergab meine Wohnungsschlüssel an den Nachmieter. Ein letzter Blick in die vier Wände, in denen ich mich in den letzten Jahren sehr wohlgefühlt habe. Danach ein letztes Mal zur Physiotherapie, die mich in den vergangenen Monaten begleitet und immer wieder aufgebaut hatte. Zuletzt die Fahrt hinaus aus der Stadt, die mir eine Heimat gegeben hatte; mit der Ungewissheit, ob ich je wiederkehre.
Nun geht die Abschiedstour in meiner Familie weiter. Einen nach dem anderen besuche ich meine Geschwister. Nicht, weil ich sie nie wieder besuchen könnte, sondern weil es nicht mehr so einfach, oft und schnell gehen wird.
In all dem kann ich sagen: jeder Schritt fühlt sich richtig an. Manchmal fragt zwar eine leise Stimme: "Bist du dir wirklich sicher, dass du das willst?", aber die einizige Antwort, die ich geben kann, ist: "Ich bin mir zumindest sicher, dass ich es nochmal versuchen will."